PPD steht auf fast jeder Packung dauerhafter Haarfarbe, meist als p-Phenylendiamin. Im Netz hat der Stoff einen schlechten Ruf. Der beruht meistens auf der halben Geschichte. Hier steht, was PPD macht, wo das echte Risiko liegt und was du tun kannst.
Was PPD eigentlich ist
PPD ist eine Farbstoffvorstufe. Für sich allein ist es ein kleines, farbloses Molekül. Nach Haarfarbe sieht daran noch nichts aus.
Das ändert sich, sobald du die Tube mit dem Aktivator mischst. Das Peroxid oxidiert das PPD, und es verbindet sich mit anderen Molekülen der Formel. So entsteht ein deutlich größeres Pigment, direkt im Haar.
Auf die Größe kommt es an. Ein kleines Molekül schlüpft auf dem Weg hinein durch die Schuppenschicht. Ein großes kommt beim Waschen nicht mehr heraus. Das ist der Unterschied zwischen Farbe, die hält, und Farbe, die sich auswäscht.
Warum dauerhafte Farbe darauf angewiesen ist
PPD arbeitet nicht allein. Es braucht Kuppler, und Resorcin ist der, den du am häufigsten auf einer Liste siehst.
Die Kuppler bestimmen den Ton. PPD liefert das Grundgerüst des Pigments, der Kuppler lenkt es Richtung Asch, Gold, Kupfer oder Neutral. Kühle Nuancen hängen am stärksten daran.
Am deutlichsten ist der Effekt bei dunklen Tönen. Ein tiefes Braun oder ein Schwarz braucht viel Pigment, das an Ort und Stelle bleibt. Ohne PPD verblassen diese Nuancen innerhalb von Wochen.
Darum enthält fast jede dauerhafte Farbe im Regal PPD oder einen nahen Verwandten. Es ist keine Abkürzung und kein billiger Füllstoff. Einen besseren Weg, dauerhafte Farbe im Haar aufzubauen, hat bisher niemand gefunden.
Die Menge ist gesetzlich begrenzt. In der EU darf fertig gemischte oxidative Haarfarbe bis zu 2 % PPD enthalten. Diese Grenze steht in der Kosmetikverordnung und wird von wissenschaftlichen Ausschüssen geprüft.
Die Frage ist also nicht wirklich, ob deine Farbe PPD enthält. Sie lautet, wie viel, wie oft du färbst und ob deine Haut es verträgt.
Wie häufig ist eine PPD-Allergie?
Seltener, als das Internet vermuten lässt. Selten ist sie trotzdem nicht.
Eine Übersichtsarbeit im Journal of Asthma and Allergy hat Hauttest-Ergebnisse aus Kliniken weltweit zusammengetragen. Im Median waren 6,2 % in Nordamerika positiv, 4 % in Europa und 4,3 % in Asien.
Diese Zahlen brauchen Kontext. Sie stammen von Menschen, die wegen eines Verdachts auf Kontaktekzem ohnehin in einer Klinik waren. In der Gesamtbevölkerung liegt die Rate deutlich niedriger.
Das Risiko ist außerdem nicht festgelegt. Die Empfindlichkeit baut sich mit der Belastung auf. Sie kann darum nach Jahren problemlosen Färbens auftauchen. Ein Produkt, das du seit zehn Jahren benutzt, kann dich trotzdem erwischen.
Es geht auch andersherum. Seltener zu färben und die Farbe möglichst von der Kopfhaut fernzuhalten, senkt genau die Belastung, aus der die Empfindlichkeit entsteht.
Wenn du eine Reaktion vermutest, klärt eine dermatologische Praxis das sauber ab. Kliniken testen mit PPD in kontrollierter Stärke und nehmen eine schwächere, wenn die Vorgeschichte auf eine starke Reaktion hindeutet. Das ist etwas ganz anderes als Raten zu Hause.
Wie eine Reaktion aussieht
Leichte Reizung ist der häufige Fall. Brennen, Jucken, Trockenheit oder etwas Wundsein auf der Kopfhaut. Unangenehm, aber es geht vorbei.
Eine allergische Reaktion verhält sich anders. Sie beginnt meist an der zarteren Haut am Haaransatz, an den Oberlidern und an den Ohrrändern. Dazu kommen Rötung, Schwellung und manchmal Bläschen.
Auf dunkler Haut wirkt ein Ausschlag eher braun, violett oder grau als rot. Dadurch ist er leichter zu übersehen.
Wenige Reaktionen sind ernst. Schwellungen an Lippen, Mund oder Rachen und jede Atemnot sind ein Notfall. Ruf dann Hilfe, statt abzuwarten.
Beginnt die Reaktion, während die Farbe noch im Haar ist, spül sie sofort mit einem milden Shampoo aus.
Schwarze Henna-Tattoos sind die größere Gefahr
Echtes Henna ist orangebraun und auf der Haut harmlos. Schwarzes Henna ist etwas völlig anderes.
Für dieses Schwarz wird der Paste PPD zugesetzt. Die Mengen liegen oft weit über allem, was in Haarfarbe erlaubt ist, und die Paste sitzt stundenlang direkt auf bloßer Haut.
Diese Kombination erzeugt sehr zuverlässig eine Allergie. Reaktionen können innerhalb von ein bis zwei Tagen Blasen bilden, und die Empfindlichkeit bleibt meist ein Leben lang.
Viele begegnen PPD zum ersten Mal an einem Tattoo-Stand im Urlaub. Das Problem entdecken sie Jahre später vor dem Badezimmerspiegel. Wenn du je ein schwarzes Henna-Tattoo hattest, geh mit Haarfarbe wirklich vorsichtig um.
Ein einziges Tattoo reicht dafür. Die Empfindlichkeit verschwindet nicht mit der Zeit, und sie überträgt sich auf Haarfarbe, ob du den Zusammenhang herstellst oder nicht.
Was PPD-frei wirklich bedeutet
Der Begriff steht überall, deshalb lohnt es sich zu wissen, was normalerweise dahintersteckt.
Die meisten PPD-freien dauerhaften Farben nehmen stattdessen PTD, kurz für Toluol-2,5-diamin. Es ist ein naher chemischer Verwandter und übernimmt dieselbe Aufgabe.
Nahe Verwandte reagieren kreuzweise. In derselben Übersichtsarbeit vertrugen 57 % der PPD-Allergiker eine Farbe auf PTD-Basis. Die übrigen 43 % reagierten trotzdem.
PPD-frei ist also eine echte Möglichkeit, wenn du bereits weißt, dass du allergisch bist. Sprich das mit einer dermatologischen Praxis ab. Eine Garantie ist es nicht, und für alle anderen ist es kein Sicherheitsgewinn.
Die andere Art PPD-freier Produkte sind Pflanzenfarben wie Henna. Die enthalten tatsächlich kein PPD. Sie legen sich aber um das Haar, statt es von innen zu färben. Dadurch sind sie schwer zu entfernen, später schlecht zu überfärben, und auf grauem Haar wird das Ergebnis oft messingfarben.
Der dritte Weg, den viele versuchen, ist die Tönung. Sie wäscht sich über einige Wochen heraus, und etwa jeder zehnte PPD-Allergiker reagiert trotzdem darauf. Grau deckt sie außerdem nicht richtig ab, und genau darum ging es meistens.
Die Zutatenliste lesen
Die Vorderseite der Packung ist Werbung. Die Zutatenliste auf der Rückseite ist reguliert, und dort steht die Antwort.
Die Zutaten stehen nach Menge absteigend, mit ihren INCI-Namen. PPD taucht als p-Phenylenediamine auf, manchmal mit HCl oder Sulfat dahinter.
PTD steht als Toluene-2,5-Diamine oder Toluene-2,5-Diamine Sulfate. Dazu kommen nahe Abkömmlinge wie N,N-Bis(2-Hydroxyethyl)-p-Phenylenediamine Sulfate.
Die Kuppler stehen meist in der Nähe. Resorcinol ist der häufigste, dazu Namen wie 1-Naphthol und m-Aminophenol.
Zwei Komponenten heißt zwei Listen. Farbcreme und Aktivator haben eigene Zutaten, und die Farbstoffvorstufen sitzen immer in der Creme, nicht im Peroxid.
Behauptet eine dauerhafte Farbe, gar nichts davon zu enthalten, lies die Liste zweimal. Irgendetwas muss das Pigment aufbauen, und dafür gibt es nur wenige Wege.
Der Hauttest ist der Teil, der zählt
Dermatologie, Behörden und Hersteller kommen hier zum selben Schluss. Teste 48 Stunden vor dem Färben, jedes einzelne Mal.
Mische eine kleine Menge wie in der Anleitung beschrieben. Tupfe sie hinter ein Ohr oder in die Ellenbeuge und lass sie dann in Ruhe. Nicht waschen, nicht abdecken, nicht kratzen.
Dann warte und schau immer wieder nach. Reaktionen können bis zu 72 Stunden brauchen. Ein sauberes Ergebnis nach 24 Stunden sagt darum wenig.
Rötung, Jucken, Schwellung oder kleine Bläschen heißen: nicht benutzen. Gar nichts heißt, dass du für dieses Mal freie Bahn hast, nicht für immer.
Es dauert zwei Minuten, und es ist die eine Gewohnheit, die sich lohnt, solange du deine Haare färbst.